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15.03.2011 | News spezial

VVG - ein Monster verändert die Branche | Oder: Wie VVG aus seriösen Vermittlern "Verbrecher" macht

2005 war es soweit: Das Versicherungsvertragsgesetz - kurz VVG genannt - hielt seinen Einzug. Zertifiziert und qualifiziert, endlich war die gesamte Branche der Finanzdienstleistung in der Lage,  Ihre Kunden seriös und qualifiziert zu beraten. Eine erste Frage drängt sich auf: Waren denn alle Finanzdienstleister vor VVG unseriös und unqualifiziert?  Waren Sie so schlecht? Gab es nur Madoff´s in Deutschland? Wirklich? 



Das Ziel: Nachhaltige Erhöhung von Transparenz und Verständnis im Sinne des Verbraucherschutzes. Damit in Zukunft jeder, aber auch wirklich jeder Verbraucher abschätzen und verstehen kann, was er denn da so alles unterschreibt. Deswegen wurde zusätzlich ein "klasse Beratungsprotokoll" gefordert. Damit der Verbraucher auch wirklich weiß, zu was er so alles "Ja" sagt. Ist damit der Verbraucher gemeint, der blind eine Partei wählt, weil das Wahlprogramm sowieso keiner liest - und falls es jemand wirklich tut, es niemals versteht? Der von der Partei kein Beratungsprotokoll bekommt, aber mit über das Schicksal einer ganzen Nation entscheiden darf? Dieser Verbraucher ist gemeint? Der Verbraucher, der ein Kind zeugen, erziehen, großziehen darf? Ohne jemals belehrt worden zu sein? 



Ich verstehe. Man kann das nicht vergleichen, das ist etwas ganz anderes. Denn wenn ein Verbraucher das Wahlprogramm kennen würde, würde er nicht wählen. Wenn er vorher wüsste, was ein Kind an Verantwortung und finanziellen Aufwendungen mit sich bringt, würde er keines zeugen. Und wenn Politiker ein Beratungsprotokoll unterschreiben müssten……



Da fällt mir Norbert Blüm ein. Zitat: "Unsere Renten sind sicher". Oder auch Helmut Kohl´s blühende Rede: Zitat: "Blühende Landschaften im Osten". Man, ich hätte jetzt so gerne ein Beratungsprotokoll. 



Der Verbraucher sollte endlich wissen, wie reich ein Vermittler wird, wenn dieser einen Vertrag mit € 25 im Monat dem Verbraucher "aufs Auge drückt". Es muss ausgewiesen werden. Basta und fertig. Ja Himmel, glaubt der Gesetzgeber denn, dass all die "blinden" Verbraucher dachten, dass ein Vermittler vom Sozialamt bezahlt wird? Jene Verbraucher im Übrigen, die wählen dürfen.



Ich stelle mir das gerade bildlich vor: Ich stehe in einem Supermarkt an der Kasse und bekomme einen Bon, der ca. 12 Meter lang ist, weil das Kaufhaus mir seine Kalkulation aufschlüsseln muss. Salami: €1,50 enthalten im Preis:  Verkäuferin €0,12 / Marketing € 0,8 / Vertrieb € 0,40 /Raumkosten € 0,40 etc.



Und ich stelle mir vor, dass der Einkauf jetzt 2 Stunden dauert. Weil ich ja erst beraten werden muss. Und ein Beratungsprotokoll haben muss. Ich bin ein Verbraucher, ich brauche das.



Wo wollte ich hin? Ach ja, Seriosität. Im Sinne des Verbrauchers und Kunden fair und ehrlich beraten. Dazu wurde die Prospektnorm verschärft. Im Prospekt muss alles klipp und klar stehen. Mit allen Risikohinweisen. Seitenlang. Liest natürlich Jeder. Wenn ein Wahlprogramm eine Risikobelehrungspflicht hätte, ich behaupte, es wäre dicker als die Bibel. 



Und der Verbraucher soll einfach einschätzen können, was er braucht, was so ein Produkt kann, was nicht, wo Chance und Risiko steckt. Und dazu soll unser Berater ihn jährlich einmal aufsuchen. War das nicht das Christkind, das alle Jahre wieder kommt? Sei´s drum. Nur dann, wenn wirklich Bedarf besteht, soll ihm der Berater ein Angebot empfehlen. Ein Produkt, was er aus allen Angeboten, die der Markt hergibt, verglichen hat und dass für den Verbraucher das Beste ist. Wahrscheinlich beschäftigt unser Berater ganze Heerscharen an Juristen, Mathematikern und Wirtschaftsprüfern. Europäische Vorschriften, BGH, AGb´s, VVG, alles will geprüft werden. Ich bin Verbraucher, ich habe ein Recht darauf. Und ruck zuck - so 14 Jahre später - habe ich auch schon mein Angebot. Jetzt verstehe ich auch, wieso die Kosten für den Vermittler dem Verbraucher ausgewiesen werden sollen. Bei dem Vertrag mit €25 hat er ja auch mindestens €10.000 Provision bekommen - wie hätte er sonst die ganze Prüfungsarbeit leisten können?



Danke dass Sie bis hierhin schon gelesen haben, es ist gleich fertig.  
Zu guter Letzt zwei Fragen: Wenn der Berater dem Verbraucher nur dann etwas anbietet, wenn dieser es wirklich braucht, wieso habe ich als ich 19 Jahre alt war einen Bausparvertrag für DM50 im Monat bekommen?  Wusste die Dame, dass ich eine Tochter haben werde, die dann wiederum Kinder haben wird, damit diese dann mit dem Bausparvertrag eventuell etwas anfangen können? Und woher wusste Sie, dass ich weder schwul werde noch unfruchtbar bin?  Ach, ich vergaß, da gab es ja noch gar keine Zertifizierung und Qualifizierung nach VVG. Heute ist alles besser.



Und wenn ein Berater im Prinzip ständig prüfen muss, was für mich das Beste ist, und ständig neue Angebote auf den Markt kommen, wann verdient der Berater eigentlich Geld? Ob er doch vom Sozialamt bezahlt wird? Aber das kann mir auch völlig egal sein, ich muss das nicht verstehen. Es steht ja im Gesetz. Und "die" werden ja schon wissen, was gut für mich ist. Denn auch ich bin ein Verbraucher und auch ich habe das Recht dumm zu sein.

Autor: Michael Hahn - Geschäftsführer "Das Stadtkonzept"


Der Unternehmensverbund "Das Stadt Konzept" koordiniert operativ und administrativ den Vertrieb rund um die Anlageform Immobilie. Die erste Gesellschaft wurde vor über 10 Jahren zur Beratung von Vermarktungskonzepten, sowie zur Umsetzung und Vermarktung kommunaler Liegenschaften gegründet. Drei weitere Gesellschaften wurden zur Umsetzung der vertrieblichen Aktivitäten und Betreuung der Kunden im Laufe der Folgejahre installiert. Inzwischen fungiert der Unternehmensverbund als administrative Schnittstelle zwischen Anbieter, Angebot und Kunde.

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