11.08.2014 | Nachrichten Navigator

Vermittler-Haftung auch für Dritte!

Da ist der Kunde - und dort das Produkt. Und dazwischen der Vermittler. Und ein unsichtbarer Gast sitzt oft mit am Tisch: Der Gutachter oder Analyst in Form von aufbereiteten Unterlagen. Das soll als neutrale Instanz Vertrauen schaffen. Genauso wie auch eine Weiterempfehlung Vertrauen aufbaut. Aber der sorglose Umgang mit Dritten beinhaltet erhebliche Haftungsrisiken.

Ein Kundenbesuch hat es für Vermittler heutzutage in sich. Wer zu einem Anlageprodukt beraten möchte, muss eine Menge Papier ausbreiten. Vieles ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben, etliches soll den Anlegern von Renditen und sicheren Einnahmen durch den Initiator aufbereitet davon träumen lassen. Und manches davon soll von unabhängiger dritter Seite all das bestätigen, was Broschüren, Prospekte und vor allem der Vermittler ihm erzählen. Für das Verkaufsgespräch mögen derlei Gutachten und Analysen hilfreich sein. Kommt es dann später doch zu einem Schaden, sind es genau diese Unterlagen und eigentlich das Vertrauen stärkenden Werkzeuge, für welche die Vermittler meist mithaften müssen.

 

Jeder Berater ist gut beraten, sogar dazu verpflichtet, sich sorgfältig über das zu vermittelnde Produkt zu informieren. Aus eigenen Haftungsgründen. Er sollte ein steuerwirksames Produkt ohne Steuergutachten gar nicht erst anfassen. Er muss aber auch wissen, dass hinter den externen Produkt- und Plausibilitätsprüfungen wirtschaftliche Interessen stehen. Und er sollte das Gutachten entweder selbst komplett verstehen, oder den Kunden darauf hinweisen das es das Gutachten gibt, er selbst sich aber in der Materie des Gutachtens nicht als Experte sieht und sich somit auch nicht ausreichend darüber auslassen kann. Allgemein bekannt ist, dass sich Analysehäuser und vergleichbare Medien ihre Ergebnisse oder die Weiterverwertung bezahlen lassen. Bei Steuer- oder Rechtsgutachten fließen ebenfalls Gelder. Diese Zusammenhänge sind legitim, aber um es ganz klar zu sagen: Sie sind auch ein Einfallstor für Manipulationen.

 

Vermittler steht auch für eingesetzte Gutachten im Feuer

Der Vermittler ist gerade bei komplizierten Produkten aufgefordert, noch mehr Sorgfalt walten zu lassen. Und dazu ist ihm dringend zu empfehlen, auch das Begleitmaterial kritisch zu hinterfragen. Denn: Setzt er diese Gutachten, Nachweise und Prüfergebnisse in seinem Vermittlungsgespräch quasi als von ihm geprüft ein, erhebt er von Rechts wegen seine Funktion und sich selbst gegenüber dem Anleger zum Experten. Und damit steht er auch für diese Papiere, respektive für die späteren Ergebnisse, in der Haftung. Im Zweifel nützt ihm da auch kein Haftungsdach.

Was also kann der seriöse Vermittler tun, wenn er ein Produkt in sein Portfolio aufnehmen will?

Sie/ Er sollte

  • auch bei anderen Medien und Analysehäusern nachprüfen um festzustellen, ob die ihm angebotene Produktanalyse sich nicht einseitig von anderen Ergebnissen abhebt.
  •  hellhörig werden, wenn überdurchschnittliche hohe Provisionen mit auffällig guten Analysen einhergehen.
  • sehr wachsam werden, wenn Prominente zu Werbezwecken eingesetzt werden.
  • nachfragen, ob der Anbieter immer denselben Steuerberater oder Rechtsanwalt für seine Gutachten in Anspruch nimmt.
  • sich nachweisen lassen, dass die Gutachter gemessen am Emissionsvolumen ausreichend hoch versichert sind.
  • in jedem Falle eine Auskunftsvereinbarung mit dem jeweiligen Gutachter sowohl für den Vermittler wie auch für den Kunden verlangen.
  • sich die Meinung eines zusätzlichen Experten oder eine andere kompetente Marktmeinung einholen, wenn auch nur die geringsten Restzweifel zu einem Gutachten bleiben.
  • in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Gutachters überprüfen, in welcher Weise die Haftung limitiert ist und den Anleger darauf hinweisen.
     

Trotz all dieser Vorsichtsmaßnahmen kann es zu Schäden kommen. Etwa wenn der Anbieter sein Produkt nicht beherrscht, ungeplante oder gesetzliche Veränderungen im Markt eintreten oder sogar kriminelle Machenschaften im Spiel sind. Ist der Anbieter/ Initiator im Schadenfall nebst seiner Gutachter monetär oder physisch nicht mehr greifbar, steht im Grunde genommen immer der zurückgelassene Vermittler im Feuer. Prominente Fälle der etwas ferneren Vergangenheit zeigen, wie unterversicherte Kanzleien damals regelrecht beerdigt wurden. Schon für diese Fälle ist dem Vermittler eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung (VSH) beruflich vorgeschrieben.

VSH auf ausreichende Deckung überprüfen

Da Vermittler in der Regel nicht nur einen Zeichnungsschein eines Anlageproduktes einsammeln, sollten sie zu all den Vorsichtmaßnahmen vor allem überprüfen lassen, ob ihre eigene VSH eine ausreichend hohe Deckung ausweist. Mittlerweile werden kostenfreie Überprüfungen der Deckungssummen angeboten. Und wer seine bestehende VSH nicht sofort anpassen kann, kann die fehlenden Inhalte und die vorhandenen Deckungssummen für einen Minimalbetrag bis auf 5 Mio. Deckung mit einem so genannten VSH-On-Top-Schutz per sofort online anzupassen.

Ebenso dringend empfiehlt es sich, auch den Deckungsumfang der VSH von Experten regelmäßig mit einem VSH-Check prüfen zu lassen. Denn in aller Regel ist beispielsweise ein weiterer kritischer Umgang mit Dritten nicht versichert: Die Rolle als Tippgeber. Auch hier kommt die Rolle des Vermittlers als Fachmann haftungsrelevant zum Tragen.

Hintergrund: Je nach Lizenz darf ein Berater bestimmte Produktgruppen nicht vermitteln. Wird er jedoch danach gefragt, würde kein Berater in einer solchen Situation seinen Kunden vor den Kopf stoßen, er dürfe dazu nichts sagen. Oder sich die Blöße geben, er könne dazu nichts sagen. Es folgt der Tipp, die Empfehlung eines anderen Beraters, oder gar zu einem Produktgeber wie z. B. zu einem Vermögensverwalter. 

Dass sich der Berater dabei auf sehr brüchigem Sicherheits- bzw. Haftungsgrund bewegt, ist vielen nicht bewusst. Denn dabei vertrauen die Kunden – wie bei dem im Vermittlungsgespräch eingesetzten Gutachters oder Analysten - ihrem scheinbaren „Finanzexperten“. Sie übertragen dieses Vertrauen in dem einen Fall auf das Gutachten und im Fall der Tippgeberschaft automatisch auf das empfohlene Produkt oder den empfohlenen Anbieter. Führt der Tipp oder Ratschlag beim Kunden dann aber zu einem Nachteil oder sogar zu einem konkreten Schaden, hat der vermittelnde Berater ein gehöriges Haftungsproblem. 

Tippgeberschaft ist keine haftungsfreie private Gefälligkeit

Es muss nicht einmal eine Vergütung für den Tippgeber vorliegen. Entscheidend ist, dass es sich immer dann, wenn es um erhebliche Verantwortung geht, um keine haftungsfreie private Gefälligkeit mehr handelt.

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