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18.11.2014 | Meisterklasse | Von den Besten das Wichtigste

Typorientierte Führung | Fünf Tipps, wie Sie Ihre Mitarbeiterführung verbessern

Viele Vertriebsleiter scheren alle Vertriebskräfte über einen Kamm. Sie haben mit unterschiedlichen Menschen, Charakteren und Persönlichkeiten zu tun, führen und motivieren jedoch in jeder Führungssituation mit demselben Führungsinstrumentarium. Fatale Folge: gescheiterte Veränderungsprozesse.

Grau in Grau führt zu Langeweile

Montagmorgen, Meeting, alles grau in grau: Alle regen sich über die düstere Wetterlage in der Branche auf. Die Verbesserungsvorschläge des Teams gehen allesamt in dieselbe Richtung. Sie betreffen stets „die anderen“, die etwas ändern müssen. Man selbst mache ja alles richtig. Der kreative Funke fehlt. Langweilige Mehltau-Stimmung wabbelt durch den Meetingraum.

Erkennen Sie sich in dieser Führungssituation wieder? Liegt es daran, dass in Ihrem Team nur Bewahrertypen sitzen, die sich nicht verändern wollen? Oder Zahlen-Daten-Fakten-Menschen, denen das Kreativitätsgen fehlt? Oder nur quakende Ente, die lediglich Probleme benennen, aber keine konstruktiven Lösungen finden wollen?

 

Tipp 1: Bunte Vielfalt im Team führt zu kreativen Lösungen

Mein Lösungsvorschlag: Sorgen Sie für bunte Vielfalt im Team: Umsetzungsmacher und Besitzstandswahrer, Kreativvisionäre und Controllingfetischisten, Innovationsenthusiasten und Status-quo-Erhalter, Enten und Adler, also quakende Jammertanten und handlungsorientierte Lösungsfinder. Der Sinn dieser Lösung: Viele verschiedene Typen – das heißt vielfältiger Output und zahlreiche Problemlösungen.

Als besonderes Bonbon integrieren Sie den kreativen Querdenker in Ihr Team, der gerne alles in Frage stellt, ständig widerspricht, oft auch romnörgelt – aber stets mit unerwarteten Lösungsideen aufwartet.

Damit dies funktioniert, sollten Sie Vielfalt, Individualität, ja Exzentrizität nicht als Risiko, sondern als Chance wahrnehmen. Sorgen Sie dafür, dass in Ihrem Team nicht nur Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten versammelt sind, sondern auch verschiedene Persönlichkeitstypen.

 

Tipp 2: Veränderungsprozesse aus eigener Einsicht starten

Natürlich erfordert das von Ihnen die seltene Kompetenz, die vielfarbigen Persönlichkeitstypen zu erkennen und einzuschätzen. Ziel ist ein schlagkräftiges Team, in denen sich die Charaktere und Fähigkeiten harmonisch ergänzen. Ihr Nutzen: Wenn Sie die Fähigkeit zur typorientierten Führung aufbauen, hat dies nicht nur Vorteile für die Teamführung, sondern auch für Ihr Veränderungsmanagement.

Warum ist das so? Changeprozesse verlaufen erfolgsorientiert, wenn es Ihnen gelingt, bei jedem Mitarbeiter den jeweiligen Veränderungsknopf zu drücken. Allerdings: Für Sie als Führungskraft ist es unmöglich, andere Menschen zu verändern.

Auf den Punkt gebracht: Ebenso wie Sie die einzige Person auf der Welt sind, der Sie verändern kann, ist Ihr Mitarbeiter der einzige Mensch auf der Welt, der ihn zum Change motivieren kann. Immerhin jedoch können Sie ihn dabei unterstützen und typorientierte Veränderungsimpulse zu zünden. Geben Sie ihm Anlass, sich aus eigener Einsicht zu verändern und den Change zu wagen.

 

Tipp 3: Individuelle Veränderungsimpulse zünden

Typorientiertes Changemanagement meint, den Mitarbeiter bei seiner individuellen Veränderungsmotivation zu packen. Sie wollen Beispiele? Dem sicherheitsorientierten Mitarbeiter zeigen Sie auf, dass die Veränderung seinen bisherigen Arbeitsrhythmus nicht vollkommen auf den Kopf stellt und ihn dabei unterstützt, zu bleiben, wer er ist: „Ändere Dich täglich – und Du kannst bleiben, wie Du bist.“ Weisen Sie ihm nach, wie der Change seinen Arbeitsplatz sichert.

Der dynamisch-dominante Mitarbeiter erfordert eine andere Vorgehensweise: Verdeutlichen Sie, dass ihm der Change die einmalige Chance bietet, seinen Verantwortungsbereich zu vergrößern und auf der Karriereleiter eine weitere Stufe nach oben zu klettern. Der zahlenorientierte Controllertyp hingegen will von Ihnen wissen, welchen messbaren Nutzen die Veränderung hat.

Sie sehen: Wiederum ist entscheidend, dass Sie die Mentalität, den Charakter und die Persönlichkeitsausrichtung Ihrer Mitarbeiter einschätzen und ihnen typbezogen Anlass geben, über die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des Changeprozesses nachzudenken. Dabei können Sie sich auf Ihre Menschenkenntnis und Ihr Bauchgefühl verlassen – und auf Typologien.

 

Tipp 4: Typorientiertes Führen mit Menschenkenntnis

Die meisten Ihrer Mitarbeiter werden Sie seit so langer Zeit kennen, dass Sie Ihre Persönlichkeit und Mentalität mithilfe Ihrer Menschenkenntnis gut einordnen können. Voraussetzung ist Ihre Einstellung, die Wesensverschiedenheit der Mitarbeiter zu akzeptieren und zur Grundlage Ihrer Führungsarbeit zu erheben. Das bedeutet die Verabschiedung jeglicher eindimensionaler Führungsarbeit, die alle Mitarbeiter gleich behandelt.

Menschenkenntnis entwickelt derjenige, der Mut zur menschlichen Kompetenz aufbringt und bereit ist, sich unbefangen auf den anderen Menschen einzulassen, ihm zuzuhören, das Gespräch mit ihm zu suchen und möglichst viel von ihm zu erfahren, kurz: der neugierig auf seinen Mitarbeiter ist.

Arbeiten Sie überdies konsequent an der Erweiterung Ihres Führungsrepertoires. Wir alle sind darauf angewiesen, uns selbst auf unserem Expertengebiet täglich weiterzubilden und dazu zu lernen. Indem Sie sich immer mehr verschiedene Führungs- und Kommunikationsmethoden aneignen, sind Sie immer besser in der Lage, sich flexibel auf unterschiedliche Führungssituationen einzustellen und jeden Mitarbeiter typgerecht so zu führen, wie er es als einzigartiges Individuum verdient.

 

Tipp 5: Typologie als Hilfsinstrument heranziehen

Vielleicht prüfen Sie jetzt, inwiefern Ihnen eine Typologie bei der Mitarbeiterführung hilft. Seit Menschengedenken versuchen wir, Menschen in Typen zu untergliedern, um uns den Umgang mit ihnen zu erleichtern. Das ist auch in Ordnung so, solange wir darüber nicht den Blick auf die Individualität des Menschen außer Acht lassen, mit dem wir kommunizieren. Jede Typologie birgt die Gefahr der unzulässigen Vereinfachung. Dessen müssen wir uns bewusst sein und die mit einer Typologie gewonnenen Einsichten im persönlichen Gespräch verifizieren.

Zu den ältesten Typologien gehört die Temperamentlehre des Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.). Auf ihn gehen viele der „modernen“ Typologien zurück. Sie lässt sich durch das „Gleichnis mit dem Stein“ wunderbar veranschaulichen, in dem ein Felsen Ihrem – so nehmen wir an – Mitarbeiter den Weg zum Ziel versperrt. Wie reagiert er?

  • Der kreativ-impulsive Sanguiniker klettert in seiner heiteren Art über den Stein hinweg und findet eine spannende Möglichkeit, mit dem Hindernis umzugehen.
  • Der ruhig-sachliche Phlegmatiker geht Konflikten aus dem Weg – und auch dem Hindernis – und setzt auf das Bewährte und Sicherheit.
  • Der Melancholiker stellt sich die Frage, ob er auf dem richtigen Weg ist, und setzt sich traurig auf den Stein, um nachzudenken und sein Vorhaben zu reflektieren.
  • Der dominante Choleriker gerät angesichts des unerwarteten Hindernisses in Rage, ergreift die Initiative und räumt es mit einem Kraftakt aus dem Weg.

 

Erkennen Sie Ihre Mitarbeiter in der Beschreibung wieder? Dann prüfen Sie jetzt im Gespräch, ob Ihre Einschätzung stimmig ist. Und dann nutzen Sie Ihre Erkenntnisse und die fünf Tipps, um Ihre Mitarbeiterführung zu optimieren.

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