Das Branchenbarometer 2018

Digitaler Vertrieb | Mehr Zeit investieren?

25.07.2016 | Vertriebstipp der Woche

Praxistipp Nr.311 | Ärger ist ein Geschenk! Verkaufen mit Gelassenheit

Ärger … ein Geschenk? Der spinnt doch der Bremer! Wie können Herzrasen, ein rotes Gesicht und Grummeln in der Magengegend Geschenke sein? Da pfeif ich doch drauf! Mein Rat: Besser nicht, denn der Ärger birgt eine echte Chance für mehr mentale Stärke und Gelassenheit.

„Das kann doch nicht wahr sein! Da mache ich ihm ein echtes Knaller-Angebot und der Pfennigfuchser besitzt die Dreistigkeit, darüber noch verhandeln zu wollen!“ Zugegeben, Ärger ist verdammt unangenehm. Zu allem Überfluss werden viele nach einem Wutausbruch gleich nochmal sauer, weil sie auf Hundertachtzig waren. Gerade wenn Sie mit Kunden zu tun haben, sind Sie starken Stressfaktoren ausgesetzt und das Risiko, sich täglich über Abläufe oder Menschen aufzuregen, ist enorm hoch. Das ist nicht zu ändern. Es sei denn, Sie beschließen zum einsamen Eremiten auf einem unbewohnten Eiland zu werden. Mit dem Verkaufen klapp es dort aber sicher nicht so gut.

 

Obwohl alle Beteiligten wissen, dass das wütende Schnauben außer Bluthochdruck nichts bringt, sehen wir immer mal wieder rot. Das Bewusstsein, dass Ärger oder Wut – kurz Stress – manchmal krank machen, hilft da keineswegs weiter. Im Gegenteil: Eine Studie von Dr. Abiola Keller von der Universität Wisconsin hat ergeben, dass der Glaubenssatz “Stress und Ärger sind ungesund“ zu einem höheren Sterberisiko beiträgt. Nicht der Stress selbst. Wer negativen Gefühlen positiv gegenübersteht, führt auf Dauer ein glücklicheres, erfolgreicheres und sogar längeres Leben. Wie aber komme ich darauf, dass Stress und Ärger Geschenke des Alltags sind? Ganz einfach, sie sind ein inneres Alarmzeichen. „Achtung Vergangenheit!“, „Entwicklungspotenzial!“, „Klappe aufmachen!“ und „Fremde Einflusszone!“. Sie geben Ihnen die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen.

 

Zurück in die Gegenwart!

Versuchen Sie einmal, sich über ein zukünftiges Ereignis zu ärgern. Und, haben Sie sich schon schwarz geärgert? Hut ab, wenn dem so ist, denn die Zukunft steht ja bekanntlich noch nicht fest. Also kann noch gar nichts passiert sein, was Ihr Inneres zum Brodeln bringen könnte. Stress bereiten Ihnen höchstens die Ängste, die Sie manchmal beim sorgenvollen Blick auf zukünftige Ereignisse verspüren. Unbekanntes und Fremdes, die Sorge, irgendwelchen Erwartungen nicht gerecht zu werden, lösen häufig Stressgefühle aus. Sich über noch nicht Geschehenes zu ärgern, ist allerdings schwierig. Wirklich aus der Haut fahren können Sie nur wegen Vergangenem. Jedoch liegt es nicht in Ihrer Macht, den Schnee von gestern ungeschehen zu machen. Ich will Sie keineswegs dazu animieren, die Vergangenheit zu verdrängen oder blind in Ihr Verderben zu rennen, weil Sie die Augen vor der Zukunft verschließen. Wir lernen aus unseren Fehlern und Angst hält uns dazu an, vorsichtig zu sein. Legen Sie Ihren Fokus nach einem Moment des Innehaltens trotzdem auf die Gegenwart. Sie haben nämlich viel mehr davon, wenn Sie sich fragen: „Was kann ich JETZT tun?“ Nur in der Gegenwart können wir Missgeschicke ausbügeln und die Zukunft durch unser Handeln beeinflussen. Ärger ist ein Geschenk, weil er uns zuruft: „Hey, wach auf! Lass die Vergangenheit ruhen, komm ins Jetzt und überlege dir, was zu tun ist!“

 

Muster durchbrechen!

Denken Sie an die letzte Situation, in der Sie die Contenance verloren haben. War es das Projekt, das nicht vorankommt? Ein Kollege, der Ihnen ins Wort gefallen ist? Ein Meeting mit einem Kunden, das völlig aus dem Ruder gelaufen ist? Der Ärger zeigt Ihnen, dass Sie sich in einer wiederkehrenden Situation befinden, die unangenehm ist. Es sind in der Regel immer wieder ähnliche Ereignisse, die uns auf die Palme bringen. Der Stress sagt: „Offenbar kannst du das noch nicht geschmeidig, elegant und gelassen bewältigen. Hier hast du noch Entwicklungspotenzial.“ Machen Sie sich das in einem ruhigen Moment bewusst. Gehen Sie die Situation nochmal gedanklich durch und versuchen Sie sich bewusst zu machen, was genau Sie ärgert und ob es in Ihrer Macht steht, etwas zu tun. Vielleicht geben Ihnen die nächsten beiden Ärger-Geschenke schon den richtigen Impuls.

Klappe aufmachen!

Sie haben vielleicht wirklich schon festgestellt, dass Sie sich immer wieder ärgern, wenn ein Mitarbeiter oder Kollege etwas verbockt hat oder zum x-ten Mal zu spät ins Besprechungszimmer schlurft. Oder ein Kunde hat mal wieder Ihre Zeit und Expertise in Anspruch genommen, um dann doch bei der Konkurrenz zu kaufen. Die Wut darüber flüstert Ihnen zu oder schreit sogar: „Sprich dich aus, sprich es an!“ Wenn Sie sich einen Moment Zeit nehmen und überlegen: „Welche Nachricht könnte in meinem Ärger enthalten sein?“, dann werden Sie feststellen – da ist „eine Botschaft“. Es ist immer etwas da, das Sie bisher noch unausgesprochen haben stehen lassen. Ihr Ärger gibt Ihnen den nötigen Schubs. Bleiben Sie also nicht länger mit verkniffenen Lippen sitzen, nehmen Sie sich einen Moment. Tun Sie erstmal nichts, atmen Sie durch. Überlegen Sie, was Sie stört und wie Sie das höflich, aber bestimmt Ihrem Gegenüber sagen können.

 

In die eigene Einflusszone!

Last but not least steckt noch ein viertes Geschenk in Ihrem Zorn. Durch ihn können Sie sich bewusst machen: „Du befindest dich gerade in einer fremden Einflusszone!“ Angenommen, Sie ärgern sich über den Kunden, weil er Ihre Zeit verschwendet hat. Können Sie sein Handeln beeinflussen? Können Sie über sein Budget bestimmen und Entscheidungen für ihn treffen? Nein, natürlich nicht. Das heißt, der Ärger gibt Ihnen hier eine wertvolle Hilfestellung, weil er aufzeigt: „Halt, Stopp! Gerade bist du in einer fremden Einflusszone. Du machst dich selbst zum Opfer und nimmst dir die Möglichkeit zu handeln. Also warte ab und überlege dir: Was ist meine Einflusszone und was sind meine Handlungsmöglichkeiten?“

 

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie Stress als Geschenk sehen können. Viel Erfolg beim Auspacken!

<- Zurück zu: Vertriebsnachrichten

Multimedia

Autoren auf Vertriebsnachrichten. Finanzberater, Coaches, Trainer und interessante Menschen.