Das Branchenbarometer 2018

Digitaler Vertrieb | Mehr Zeit investieren?

13.06.2016 | Vertriebstipp der Woche

Praxistipp Nr.309 | Ohne Personal Branding geht nichts mehr

Coca-Cola, Apple und BMW haben eines gemeinsam: Sie sind große und erfolgreiche Marken. Wenn es um Marken geht, denken die meisten an Unternehmen oder Produkte. Den wenigsten ist bewusst, dass heute auch Menschen zur Marke werden können und einen Bekanntheitsgrad erreichen, der bisher nur Unternehmen zustand.

Aber was genau soll das sein – ein Mensch, der eine Marke ist? Sicher kennen auch Sie einen Arzt, Handwerker, Anwalt oder Steuerberater, dem Sie seit Jahren die Treue halten, obwohl eigentlich viele logische Gründe dafür sprächen, sich einen neuen zu suchen. Und denken Sie mal drüber nach: Gehen Sie zum Allgemeinarzt oder zum „Dr. Müller“? Lassen Sie sich einen Termin beim Anwalt geben oder bei der „Frau Schmidt“? Diese Ehrentitel vergeben wir nur, wenn uns jemand als Person überzeugt.

Wertmarken zum Marktwert

Da liegt der Irrtum allzu nahe, dass ein Mensch nur richtig vermarktet werden muss, um zur Marke zu werden. So wie es im Produktmarketing funktioniert: Passende Farbgebung, griffiger Slogan, fertig. Der Unterschied liegt darin, dass man einem Produkt oder einer Dienstleistung jede beliebige Identität überstülpen kann, ohne dass es zu Konflikten kommt. Ein Mensch besitzt jedoch bereits eine Identität, mit eigenen Werten, die sein Handeln und seine Persönlichkeit ausmachen.

„Werte“ – ein Begriff, der überall thematisiert, aber nur selten gelebt wird. Vor allem Unternehmen schreiben sich gerne Werte wie Offenheit und Transparenz auf die Fahnen, doch wenn es wirklich darauf ankommt, demonstrieren sie die Offenheit und Transparenz einer Auster. Eine Kluft tut sich auf zwischen den kommunizierten und gelebten Werten, die sich auch mit den besten Public Relations nur schwer überbrücken lässt.

Wer dieses Prinzip auf Menschen überträgt, erkennt direkt: Es reicht nicht aus, über Werte zu reden – man muss sie auch leben.

15 Minuten Ruhm

Die Praxis, einen Menschen als Marke zu positionieren, bezeichnet man als „Personal Branding“. Dazu ist strategisches Vorgehen ebenso erforderlich wie die Bereitschaft, sich der Öffentlichkeit zu stellen. Auch die inneren Antreiber müssen identifiziert werden. Denn sie sind der Motor, der dem Menschen die Kraft gibt, Hürden und Widerstände zu überwinden – und von denen gibt es auf dem Weg zur Marke jede Menge.

Persönliche Antreiber können zum Beispiel sein:

  • Einfluss
  • Anerkennung
  • Macht
  • Ansehen
  • Status

Wer für das Thema sensibilisiert ist, entdeckt eine Menge Menschenmarken, die in der Öffentlichkeit aktiv sind. Die bekanntesten sind Promis in Film, Musik und Sport.

Gerade die Stars und Sternchen tragen auch ein hohes Risiko: Können sie ihre eigentliche Funktion nicht mehr erfüllen – der Schauspieler, der keine Rollen mehr kriegt, der Musiker, der den Geschmack der Fans nicht mehr trifft, der Sportler, dessen Karriere durch eine Verletzung beendet wird – müssen sie sich ein neues Betätigungsfeld suchen. Entspricht dieses nicht mehr der Identität, die sie bisher gezeigt haben, verschwinden sie bald in der Versenkung.

Im Personal Branding bekommt man keine zweite Chance. Castingsendungen und Starschmieden, mit denen uns die Unterhaltungsindustrie bombardiert, gestatten immer wieder einzelnen Menschen, eine Weile im Rampenlicht zu dümpeln. Doch wenn der Antrieb, die Mission, die klar gelebte Persönlichkeit fehlen, verstreicht dieser Moment und sie verschwinden wieder in der Bedeutungslosigkeit.

 

Markentypen in rauen Mengen

Erinnern Sie sich noch an Daniel Küblböck & Co.? Diese und ähnliche Kurzzeitberühmtheiten können sich nicht aus eigener Kraft in der öffentlichen Wahrnehmung halten. Ohne die Unterstützung ihrer Produzenten stürzen sie unweigerlich ab. Unser Entertainment ist durch einen ständigen Strom von Nobodies geprägt.

Dem direkt gegenüber steht der Markentyp, der sein Leben voll und ganz einer Mission widmet. Diese Menschen können durch ihren außergewöhnlichen Einsatz zu Synonymen bestimmter Geisteshaltungen werden. Der Dalai Lama oder Mahatma Gandhi sind gute Beispiele dafür, auch wenn sie mit Sicherheit nie bewusst geplant hatten, zur Marke zu werden.

Weitere prägnante Markentypen sind Veteranen wie Niki Lauda – ein gutes Beispiel für einen Sportler, der nach Ende seiner Karriere Marke geblieben ist. Nach seinem Unfall hat er sich eine neue Herausforderung gesucht, die mit seiner alten Rolle in Verbindung stand.

Und wo wir schon beim Sport sind: Was ist denn aus den Helden der Fußballmeisterschaft 2014 geworden? Wie vielen von ihnen ist es gelungen, auch nach Ende der landesweiten Euphorie im öffentlichen Bewusstsein zu bleiben? Wo sind Namen wie Philipp Lahm, Toni Kroos und Mesut Özil heute? Gerade Fußballspieler sollten nie vergessen, dass man in diesem Sport schon mit 30 zum alten Eisen gehört.

Mut zur Polarisierung

Manch einer, der an die Spitze gelangt ist, stellt fest, dass der ganze Rummel nichts für ihn ist. Denn Marke zu sein, bedeutet auch immer, dass man polarisiert – jedermanns Geschmack kann man nicht treffen und Konflikte sind vorprogrammiert. Einerseits sollte man sich treu bleiben, um die eigene Identität zu transportieren – andererseits muss man sich selbst immer wieder infrage stellen. Ideen, die man vor zehn Jahren hatte, sind heute möglicherweise völlig wertlos. Zudem stößt man oft auf Menschen, die sich nicht mit dem identifizieren können, was man tut. Wer versucht, es allen rechtzumachen, macht es letzten Endes niemandem recht – und verleugnet sich selbst.

Es kommt was auf uns zu

Es ist Zeit, sich auf den Faktor Mensch zu konzentrieren, denn Personal Branding wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Immer mehr Menschen werden ihre Chance erkennen und auf Ihre Persönlichkeit als Selling Factor setzen.

<- Zurück zu: Vertriebsnachrichten

Multimedia

Autoren auf Vertriebsnachrichten. Finanzberater, Coaches, Trainer und interessante Menschen.