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14.01.2014 | Life Guide | Sein & Haben

Kauf. Mich. Nicht! | Der Durst nach Design!

Kataloge, Kaufhaus, Internet- Wer sich für Stil und Design interessiert, dem wird ein schier unerschöpfliches Angebot von Waren, die das Leben schöner und reicher machen sollen geboten, deren Nachfrage regelmäßig durch die hiesige Medienlandschaft befeuert wird. Frische Ideen aus den Werkstätten der Design Elite tummeln sich neben sogenannten Innovationen aus dem Kaufhaus, deren Auszeichung als „Designerstück“ wohl dem Gusto eines jeden Mobiliar-Afficionados zu Hohn und Spott gereicht.

Neben dieser manisch anmutenden Marketingpraxis, alles als Design verhökern zu wollen, was nicht wie Omas Schrank in Eiche rustikal daherkommt, bleibt im Markt des schönen Scheins jedenfalls eins: Die kräftige Nachfrage nach Designklassikern. Dass sich hierin wohl gutes Geld verdienen lässt, dafür spricht die gigantische Anzahl von sehr gut indexierten Online Shops, die sich auf den Vertrieb von Designmobiliar oder Nachbauten ebendieser Klassiker spezialisiert haben (Vertriebsnachrichten berichtete).

Zu Recht erscheint es nicht wenigen Menschen, die Ihr Heim oder Büro mit lizensiertem Eames und Eiermann ausstatten wollen zweifelhaft, ob die tausende Euro für einfache Gebrauchsgegenstände -bei allem Respekt vor der Arbeit des Designers, irgendeine nachvollziehbare wie vernünftige Rechtfertigung erfahren könnten. Dass die Pricings in den Lizenzmärkten für Mobiliar wohl nicht ausschließlich auf die Qualität des Produktes zurückzuführen sind und die Lizenzprodukt- Vertriebe sich die Taschen -Kraft dekadenlanger Lizenzverträge über Gebühr gehörig voll machen- das mag so mancher Designliebhaber ungern hinnehmen; so scheint doch die Warenwelt des Internets probate Alternativen zu bieten: Exakte Nachbauten mit angeblich äquivalenter Qualität zu den Originalprodukten bei extrem günstigen Preisen.

Doch hier liegt der Hase im Pfeffer: Bei dem riesigem Wust von Anbietern originalgetreuer Nachbauten ist die Spreu vom Weizen kaum zu trennen- die Online Shops ähneln sich vom Aufbau und Angebot ebenso, wie die zahlreichen Kommentare und Kundenmeinungen den Anbieter loben, oder mit Kritik und Schimpftiraden übersähen.

Die Vertriebsnachrichten haben zahlreiche Online Shops in Segment für Mobiliar-Designreproduktionen getestet und sind nun um abenteuerliche, erfreuliche und ungeheuerliche Erfahrungen reicher und am Ende um einige Taler ärmer.

Ein Tatsachenbericht in zwei Akten.

Erster Akt: Unsere Bestellung bei infurn.com.

Freundlich werden wir gleich beim Öffnen der Website empfangen, indem uns ein Pop-up gleich einen Warengutschein für Neukunden in Höhe von 10,00 Euro anbietet, schon bei einer Bestellung ab 60 Euro. Wow. Und dann: Designklassiker noch und nöcher, all die hübschen Dinge, die man immer schon einmal haben wollte. Aber nun heißt es: Schnell sein, die Zeit läuft ab! Wie bitte? Richtig, eine Rabattaktion, die in ein paar Stunden ausläuft. 30% Rabatt. Keine Versandkosten. Fünf Jahre Garantie! Hübsche Bilder. 100.000 zufriedene Kunden. Toll! Die Zeit läuft- der Counter zählt die Sekunden gnadenlos abwärts. Es muss gehandelt werden. Payment Optionen: Alle gängigen Kreditkarten oder Vorkasse. Wir entscheiden uns für "La Chaise" von "Charles E". Preis des Originals laut infurn: 5.764 Euro. Normalpreis bei infurn: 829,00 Euro. Und jetzt nur noch 559,00 Euro. Versandkostenfrei. Wir staunen und zahlen. Mit VISA.

Und wir warten.

Wie dumm. Bei der Abbuchung scheint etwas schief gelaufen zu sein: Anstatt der 559,00 Euro wurde der Betrag von 829,00 Euro eingezogen. Also ohne Rabatt. Ich schreibe eine kurze Mail an infurn.com mit der höflichen Bitte um Klärung und Rücküberweisung des Differenzbetrages in Höhe von 270,00 Euro. Keine Antwort.

Und wir warten.

Lapidar erzählen wir einem Freund und Geschäftspartner von unserem Superdeal mit 30% Rabatt, auch das wir gerade auf die Korrektur der Fehlbuchung warten und uns schon riesig auf „La Chaise“ freuen. „Ach Gott, diese 30% Rabattaktion machen die immer wieder, ich habe da auch schon bestellt. Vor drei Monaten, die Ware ist immer noch nicht da“, so der Kollege. Wir werden hellhörig und rufen direkt bei infurn in England an. Der freundliche Operator entschuldigt sich aufs Höflichste und beteuert die unverzügliche Rückbuchung der Überzahlung. Die Ware müsste -da möge man doch bitte eine wenig Geduld haben- in den nächsten Wochen eintreffen.

Und wir warten.

Nach 2 Wochen und zahlreichen Anrufen und Nachfragen via Mail und Live Chat geschieht: Nichts, außer: Wir fühlen große Skepsis, das hier alles mit rechten Dingen zugeht- also steigen wir in die Recherche ein werden sehr, sehr schnell fündig. Die Website scheint ebenso viele Klone wie unterschiedliche Geschäftsadressen zu haben. Ein aus unserer Sicht undurchschaubares Geflecht von Firmen und Holdings. Komisch eigentlich- doch nicht wirklich: Die Seiten http://schwarzbuchinfurn.wordpress.com und http://www.konsumer.info/?p=26761 geben Aufschluss über die wohl reale Geschäftspraxis von infurn.com, das Unternehmen ist beim Verbraucherschutz einhellig bekannt. Wir fragen noch einmal nach und konfrontieren infurn.com mit der nicht erfolgten Lieferung und der fehlenden Rückbuchung des Differenzbetrages. Wir werden höflich auf die AGB´s verwiesen, die Lieferzeiten von bis zu 6 Monaten vorsehen. Uff.

Und wir warten.

Nachdem nun zahllose Monate ins Land gezogen sind, hat uns das Unternehmen nun einen weiteren Liefertermin für den 15. Februar 2014 in Aussicht gestellt. Das Geld und die Lieferung haben wir im Geiste bereits abgeschrieben. So wie wohl viele andere Menschen auch.

Wir fragen uns wo die 100.000 zufriedenen Kunden sind? Was bleibt zurück:Ärger, Wut, Enttäuschung. 

Und wir warten weiter.

 

Zweiter Akt. Unsere Bestellung bei goodfurn.com

Man könnte ob der namentlichen Verwandtschaft und einer leichten Ähnlichkeit des Webauftrittes, wie auch der Produktpalette annehmen, als handele sich bei goofurn.com um einen weiteren Klon aus dem ersten Akt. Mit unserem frisch erworbenen Erfahrungsschatz haben wir uns zunächst rückversichert, dass es sich um einen völlig anderen Anbieter, ebenfalls mit Sitz in den U.K., handelt und: Bestellt!

Überraschend war, das goodfurn.com neben den Payments per Kreditkarte oder Bankeinzug auch Nachnahmelieferungen anbietet. Da kann ja eigentlich nichts schiefgehen, oder doch?

Als gebranntes Kind steigt naturgemäß das Misstrauen und es stellt sich die Frage, ob es nicht doch einen Haken gäbe, der auch bei einem sicheren Lieferabkommen wie den Kauf per Nachnahme zutage träte. Es wäre ja denkbar, dass die bezahlte Ware eben nicht dem bestellten Produkt entspricht, so die Überlegung.

Doch weit gefehlt.

Wir hatten uns für einen Eames Loungechair entschieden, dessen Lieferung bereits für die nächsten 2-3 Tagen ausgewiesen wurde...

Und wir warten. 

Nach drei Tagen (!) wurde das Paket geliefert, ausgepackt, bezahlt und aufgebaut. Nachdem der erste positive „Schock“ der pünktlichen Lieferung überwunden ward, staunte das Redaktionsteam nicht schlecht: Einwandfreie Qualität bis ins Detail, sauber verpackt, dem Original aus unserer Sicht mehr als ebenbürtig, vom überaus günstigen Preis ganz zu schweigen: Schlägt doch das Lizenzprodukt mit mindesten 6000,00 Euro zu Buche, haben wir den schicken Lounge Chair für 879,00 Euro erworben.

Es ist schon erstaunlich, wie diametral entgegengesetzt Geschäftspraktiken im Online Shop-Wesen zu Hause sind. Wohl ein Jeder hat einmal gute und weniger gute Erfahrungen bei Online Käufen wie bei Ebay und Co gemacht - da erscheinen Bewertungen bei Ebay Käufen noch als probate Entscheidungshilfe, während die Kommentare und Meinungen auf offenen Bewertungsportalen wenig Orientierung bieten. Werden doch in der täglichen Online- Marketing Praxis Menschen dafür bezahlt, gerade die Unternehmen in das rechte Licht zu rücken, deren Kundenstamm alles andere als zufrieden ist.

Da hilft nur eines: Vertraue Deinen Freunden. Oder ganz einfach: Bestelle per Nachnahme.

 

 

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