Der Autor

Weitere Artikel des Autors

Das Branchenbarometer 2017

Hin und weg | Würden Sie in die Ausschließlichkeit wechseln?

25.10.2010 | Life Guide | Sein & Haben

Digestif 2.0 | Ein ewiger Dauerbrenner

Nach einem feudalen und erfolgreichen Geschäftsessen wird wohl keiner auf die Idee kommen den illustren Gästen einen Digestif zu kredenzen, der durch die Worte: „Herr Ober, Weinbrand bitte!“ angekündigt wird. Der gemeine Weinbrand (auch Fusel genannt) genießt schließlich nicht den besten Ruf in der Verköstigungsszene des Jahres 2010, was auch an Jungenderinnerungen und ersten Party-Erfahrungen (man denke nur an den berüchtigten „Charly“) zu verdanken ist.

Und doch existieren auch in dem Kosmos des Weinbrands unendliche Weiten und Möglichkeiten. Cognac ist hier das Sesam-öffne-dich-Wort für Kennerschaft, exklusiven Geschmack und gelebter Etikette. Wohlgemerkt natürlich nicht jeder dahergelaufene Cognac. Geboren aus der Not der Seefahrer, die auf ihren Fahrten gerne den mittransportierten Wein genossen, jedoch nur Essig in Flaschen und Fässern bekamen, und daher begannen, den Wein vor den großen Überfahrten zu destillieren, und diesen später mit Wasser wieder zu verlängern, wurde der Cognac ab dem 17. Jahrhundert zu etwas Erlesenem der besseren Gesellschaft. Der Begriff Cognac ist heute ähnlich wie der Champagner natürlich namensrechtlich für eine bestimmte Anbauregion geschützt. 

Kompliziert wird es für den geneigten Genießer jedoch schon bei den etikettierten Bezeichnungen der verschiedenen Hochklasse-Cognacs: V.S. oder V.S.O.P. oder XO bzw. Hors d`âge sind hierbei die gängigsten.

V.S. („Very Special“) bedeutet für einen Cognac, dass dessen jüngstes Destillat mindestens zwei Jahre alt ist, und wird in manchen Fällen auch durch drei Sterne symbolisiert. Das jüngste Destillat des „Very Superior Old Pale“ (V.S.O.P.), auch Réserve genannt, ist mindestens vier Jahre alt. Auf mindestens sechs Jahre bringt es der XO („Extra Old“) oder auch Napoléon.

Nun muss das Destillat nur noch jahrzehntelang in Eichenfässern gelagert werden um das charakteristische „Rancio“-Aroma zu entwickeln. Nach den Jahren beginnt der eigentliche Hauptakt des Experiments exklusiver Tropfen. Nach der Lagerung werden die verschiedenen Destillate vermischt, was einer Kunst, die kaum einer versteht oder nachvollziehen kann gleichkommt:

Der „Ellipse“ der Marke Hennessy enthält insgesamt sieben Destillate aus der gesamten Firmenhistorie (eines dieser Destillate stammt aus dem Jahr 1800). Der Preis für die abgefüllte historische Aufbereitung: 4.700 Euro die Flasche. Zum Wohl bleibt zu sagen. Wer die Zeitgeschichte noch ein wenig bunter in seinem Glas vertreten haben möchte, dem sei der „Louis VIII“ des tradierten Unternehmens Rémy Martin ans Herz, an den Gaumen und an das Portemonaie gelegt. Die Assemblage dieses Hochklasse-Cognacs besteht aus 1200 verschiedenen Destillaten einer Zeitspanne von 40 bis 100 Jahren. Kostenpunkt hier: 1400 Euro pro Flasche bzw. 8.000 Euro für den mit Diamanten besetzten Glasbehälter. Ebenso erwähnt werden müssen bei der Betrachtung der Feinsten der Feinen Digestifs der „L`Art de Martell der gleichnamigen Firma Martell für 2.000 - und natürlich der aus der erweiterten Pop-Kultur bekannten Marke Courvoisier („L`Esprit de Courvoisier“) für 4.000 Euro.

Die neueren Vertriebsmethoden tradierter Unternehmen richten sich heute sowieso an einen - nennen wir es erweiterten - neuen Kundenstamm: Von reichen Geschäftsmännern in Asien und Ost-Europa, bis zu den doch ein wenig Geltungs bewussteren Sprechgesangskünstlern der East- und Westside in Amerika reicht das neue, mehr oder minder geschmacksbewusste aber zahlkräftige Klientel. Dem zahlt zum Beispiel auch der mit mehreren Preisen gekrönte Cognac der Familie Abécassis Tribut, in dem sie eines ihrer hochwertigen Produkte mit der von den Töchtern verwendeten Signatur bei der täglichen SMS-Korrespondenz mit ihren gleichaltrigen Freunden benannte: Ganz kurz und schlicht: „ABK6“.

Die Jahrzehntelange Reife durch vier Stellen zum Zeitgeist geführt. Chapeau.

Die Franzosen selbst übrigens sind – um es bildlich zu formulieren – eher auf Whiskey und Wodka umgeschwenkt. C`est la vie. n`est-ce pas?

Falls sich die Gelegenheit für Sie bieten sollte, sich und/oder ihren Freunden einen der oben genannten feinen Tropfen angedeihen zu lassen, greifen sie einfach zu - und natürlich auch ein wenig tiefer in die Tasche.

 

<- Zurück zu: Vertriebsnachrichten

Multimedia

Autoren auf Vertriebsnachrichten. Finanzberater, Coaches, Trainer und interessante Menschen.