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18.01.2011 | Life Guide | Sein & Haben

Die lukullische Schere | hummerus clausus

Tjaja, die modernen Zeiten: Erwähnt man heute das Wort "Hummer" denkt der normale Verbraucher, wie auch der reichere Vertreter seiner Zunft, zumeist gleich an ein monströses Automobil, dessen Produktion mittlerweile zwar eingestellt ist, was an seiner Beliebtheit jedoch wohl nichts ändern wird - das Gegenteil dürfte der Fall sein. Wir wollen hier jedoch nicht von dem typischen "Understatement-Symbol" moderner Neureicher und ehemaliger Gouverneure berichten, sondern unseren distinguierten Leserinnen und Leser, ein paar wissenswerte Fakten zu dem schmackhaften Meeresbewohner servieren.

Zunächst: Nicht die Größe macht’s. Zwar sind die amerikanischen Vertreter in der Regel - wen wundert’s - um einiges größer (vor allem die fleischigen Scheren und der Schwanz), den größeren Gaumenschmaus erhält der geneigte Genießer jedoch beim Verzehr der europäischen Tierchen aus der "Gattung der hummerartigen der Familie der Zehnfußkrebse" (so die tatsächlich korrekte Bezeichnung).

Unter dem europäischen Siegel "bretonischer Hummer" werden daher auch so ziemlich alle vorkommenden Exemplare auf Karte und Teller beworben, obwohl diese eher selten aus der Bretagne, sondern meistens aus Norwegen, Irland oder Schottland stammen. Zwischen 600 und 800 Gramm sollte das Gewicht für einen leckeren Meeresbewohner liegen. Alles was darüber liegt, zeugt von einem zu reifen Alter und einem mäßigem Geschmackserlebnis. Der "bretonische Hummer" ist gegenüber seinen adipösen amerikanischen Verwandten aufgrund des feineren Geschmacks um bis zu 60 Prozent teurer - dafür bekommt der geneigte Schlaraffenländler aber auch das zarte Geschmacks- und Aromaerlebnis zwischen einer süßlichen Note und einem leicht nussigen Abgang.

Ach ja: Die Zubereitung. Hier scheiden sich die Geister: Manche finden die Zubereitung von Hummer einfach unmenschlich (sic!), anderen (wohl jene, die auch gerne einmal eine Auster schlürfen) ist es hingegen herzlich und herzhaft egal. Tatsächlich sieht §13, Absatz 8 der Deutschen Tierschutzverordnung nur eine amtliche Zubereitungsmethode vor: Der Hummer muss in ausreichend kochendes Wasser (den Kopf zuerst und drei Sekunden lang in dieser Position festgehalten) in den Topf gegeben werden, wobei dieser im Anschluss als komplett "Untergetauchter" auch weiterhin stark kochen muss.

Andere in Deutschland verbotenen Methoden, wie das Herunterkühlen des aristokratischen Meeresfrüchtevertreters in Salzwasser auf circa zwei Grad wie in Neuseeland gerne praktiziert, oder die französische Variante, die vorsieht, den Hummer in kaltes Wasser zu legen und dann langsam das Wasser samt Inhalt zu erhitzen, werden also Hierzulande höchstens in der Illegalität praktiziert. Neben all den verlauteten „lokalkollorit“ Beschwörungsformeln über die beste, zarteste und "haute cuisine-ste" (verzeihen Sie dieses absolute Unwort, liebe LeserInnen), kann man die amtliche Variante aus dem deutschen Gesetzbuch als gelungenen Kompromiss ansehen.

Übrigens: Hummer heute ist eine Delikatesse, und dementsprechend generiert sich der Preis. Das war nicht immer so. in vergangenen Zeiten gehörte der Hummer zu den Grundnahrungsmitteln und wurde sogar als Schweinefutter verwendet. Und natürlich: Die rote Farbe bekommt der Hummer erst durch die Zubereitung. In freier Wildbahn ist der Chitinpanzer dunkelblau.

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Autoren auf Vertriebsnachrichten. Finanzberater, Coaches, Trainer und interessante Menschen.