09.08.2016 | News spezial

Der §314 VAG | Sprengstoff für Vermittler und ihre Kunden?

Es soll ja immer noch Versicherungsvermittler geben, die den Paragraphen 314 VAG nicht kennen und/oder ihm keine Bedeutung zumessen.

Angesichts der nun schon jahrelang stattfindenden Debatte um Niedrigst- und Minuszinsen, (dies in Folge von bzw. in Verbindung mit) sich immer weiter aufblähenden Staatsverschuldungen und den (zum Teil daraus folgenden) Problemen der Versicherer auch nur die Garantiezinsen des Bestandes zu erwirtschaften, mutet das zumindest verwunderlich, wenn nicht sogar fahrlässig an.

Vereinfacht ausgedrückt regelt der §314 VAG (früher: §89 VAG) bereits seit Jahrzehnten, was die Aufsichtsbehörde (BaFin) im Falle einer drohenden Insolvenz eines Versicherungsunternehmens anordnen kann.

Die wesentlichen Zitate aus diesem Paragraphen lauten (und erinnern mich an eine der ersten verinnerlichten "Finanzweisheiten" in Zeiten meiner frühen Bankausbildung: "Garantien sind immer nur so viel wert wie ihr Garantiegeber."):

Aus Absatz 1: "Alle Arten von Zahlungen, besonders Versicherungsleistungen, Gewinnverteilungen und bei Lebensversicherungen der Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsscheins sowie Vorauszahlungen darauf, können zeitweilig verboten werden."

Aus Absatz 2: "...kann die Aufsichtsbehörde, wenn nötig, die Verpflichtungen eines Lebensversicherungsunternehmens aus seinen Versicherungen dem Vermögensstand entsprechend herabsetzen...Bei  der Herabsetzung werden die Versicherungssummen neu festgestellt; ist dies nicht möglich, werden die Versicherungssummen unmittelbar herabgesetzt. Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt.

Setzt man dies in Verbindung mit den Äußerungen von Felix Hufeld  (zunächst bspw. in einem Interview der Börsenzeitung 2014 als Chef der Versicherungsaufsicht innerhalb der BaFin, dann bspw. im diesjährigen April im Handelsblatt als Chef der gesamten Behörde), dass er eine zweistellige Anzahl von Versicherern unter (wie er es nennt) Manndeckung habe und dass er nicht ausschließen könne, dass in naher  Zukunft "Versicherer aus dem Markt ausscheiden" werden zeigt sich die Brisanz der (aktuellen) Lage. Dabei verschweigt er selbstverständlich noch, um welche Gesellschaften es sich dabei handelt beziehungsweise handeln könnte.

Für mich persönlich stellen diese Aussagen eine Vorbereitung auf die künftigen Entwicklungen dar. Mindestens Herr Hufeld wird sich zukünftig nicht vorwerfen lassen müssen, nicht auf diese Missstände bzw. drohenden und/oder möglichen Ereignisse hingewiesen zu haben. Hieraus ergeben sich nicht nur entsprechende Risiken für die Versicherungsnehmer, sondern in meinen Augen auch Aufklärungspflichten auf Seiten der Vermittler. Doch zunächst ein weiterer Aspekt.

Jeder mag für sich entscheiden, wie es um die Sicherheit von Schuldtiteln in heutigen Zeiten bestellt ist. Abhängig von dieser Einschätzung kann dann auch beurteilt werden, ob die Tatsache, dass 80 % der derzeit von den Versicherungen verwalteten 1500 Milliarden (!) Euro an Kundengeldern in Schuldtiteln investiert sind eher beruhigend oder eher beunruhigend ist. Und dies sowohl unter Sicherheits- wie auch unter Renditegesichtspunkten (nur am Rande sei hier noch erwähnt, dass es keinen so genannten Garantiezins sondern nur einen Höchstrechnungszins gibt).

Aus all dem folgt unter anderem:

  • Wie auch bei Kontoguthaben bei Banken und Sparkassen gibt es bei (Deckungsstock-)Versicherungsverträgen keine wirkliche Sicherheit, zumindest nicht so, wie sie häufig suggeriert wird.
  • Garantien sind immer nur so viel wert wie ihr Garantiegeber.
  • Ob es Einmalzahlungen oder laufende Rentenzahlungen sind: gerät ein Versicherer in eine schwere Schieflage können diese Zahlungen in welchem Umfang auch immer herabgesetzt oder sogar ganz ausgesetzt werden. Die einst sicher geglaubte Einmalsumme oder Rentenzahlung (geschweige denn ein "Garantiezins") löst sich dann in Wohlgefallen auf. Reagieren kann man dann jedoch nicht mehr, denn auch der Rückkauf der Policen kann verboten werden.
  • Berechnen Sie doch einmal anhand der jährlichen Bestandsmitteilungen der Versicherer die GARANTIERTE Rendite der (Deckungsstock-)Verträge Ihrer Kunden. Sollten sich auch bei Ihnen in der Regel Renditen von (deutlich) unter 2%, oftmals im Bereich von 0,xx% ergeben, stellen Sie sich und Ihren Kunden einfach die Frage nach dem Chance-Risikoverhältnis und damit der Sinnhaftigkeit dieser Verträge.
  • Angesichts des Genannten sehe ich eine potentielle Verpflichtung der (aber auch Chance für die Vermittler), ihren Kunden den §314 VAG zu nennen, zu erläutern und dies auch haftungssicher zu dokumentieren.
  • Daraus ergibt sich in meinen Augen zudem folgerichtig die grundsätzliche Notwendigkeit (und bspw. zugleich ein guter Ansatz für Gespräche mit Bestandskunden), die bisherigen Altersvorsorgestrukturen der Betroffenen zu überprüfen und anzupassen.
  • Die vielfältigen (!) Alternativen zu den klassischen Deckungsstockpolicen sind somit nicht nur ins Auge zu fassen sondern meines Erachtens zwingend mit einzubinden; mehr zu diesen Alternativen später auch an dieser Stelle.
  • Sie können sich mit dieser Ansprache nicht nur klar positionieren, sondern auch möglicherweise von Wettbewerbern unterscheiden und zudem Ihre Kundenbindung stärken und sich neue Geschäftschancen eröffnen.

 

Meint Ihr Jens Kregeloh

Die schutzinvest® GmbH & Co. KG ist im Rahmen der Anlageberatung nach § 1 Abs. 1a Nr. 1a Kreditwesengesetz (KWG) und der Anlagevermittlung gem. § 1 Abs. 1a Nr. 1 KWG als vertraglich gebundener Vermittler gem. § 2 Abs. 10 KWG ausschließlich im Namen, für Rechnung und unter Haftung der FiNet Asset Management AG tätig.

 

<- Zurück zu: Vertriebsnachrichten

Multimedia

Autoren auf Vertriebsnachrichten. Finanzberater, Coaches, Trainer und interessante Menschen.