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29.09.2009 | Praxiswissen komprimiert

Brainstorming bei 166 Kilometern | Grenzen überwinden

Extremläufer Norman Bücher über Grenzen, die nur im Kopf existieren.
2007 bin ich zum ersten Mal nonstop um das komplette Mont-Blanc Massiv gelaufen. 166 Kilometer und 9 400 Höhenmeter musste ich bei diesem Extremberglauf überwinden. Nach 122 gelaufenen Kilometern und über 6.000 Höhenmetern kam ich völlig erschöpft und übermüdet an die Verpflegungsstation. Ich war mehr als 30 Stunden nonstop unterwegs, „nur“ noch eine Strecke mit knapp 3 000 Höhenmetern lag vor mir. Die Versuchung war groß, sich im warmen Versorgungszelt einfach hinzulegen. Ich bin weiter gelaufen. Kurze Zeit später hatte ich mein Tief überwunden und beendete nach über 42 Stunden erfolgreich das Rennen.

Was das alles mit Ihnen zu tun hat? Ich habe festgestellt: im Beruf gelten dieselben Erfolgsprinzipien wie im Sport. Ob Sie bei einem wichtigen Kunden die entscheidende Verkaufpräsentation halten, Sie sich selbst und Ihre Mitarbeiter jeden Tag neu motivieren oder eine fünfköpfige Familie „managen“ -  wir alle überwinden täglich Grenzen. Rückschläge und Hindernisse gehören dazu. Die Kunst besteht darin, nicht aufzugeben, sondern Krisen zu meistern und beharrlich seinen Weg weiter zu gehen. Wie weit gehen Sie in Ihrem Berufs- und Alltagsleben? Schöpfen Sie Ihr Potenzial aus? Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass wir im Schnitt nur sieben Prozent unserer geistigen Leistungsfähigkeit abrufen. Mein Lieblingszitat lautet: „Die Grenze ist dort, wo die menschliche Vorstellungskraft endet.“ Wie weit reicht Ihre Vorstellungskraft? Können Sie sich vorstellen, 100 Kilometer am Stück zu laufen? Ein Jahr im Outback Australiens zu leben? Oder von heute auf morgen Ihren Job zu kündigen, um ganz Ihrem Hobby nachzugehen? Unmögliches ist möglich, wenn wir uns nicht selbst begrenzen, sondern über unsere gewohnten Denkweisen hinausgehen. Die Nutzung meiner Vorstellungskraft ist ein entscheidender Bestandteil meines sportlichen Erfolges. In der Vorbereitung beschäftige ich mich sehr intensiv mit meinem Laufziel. Ich stelle mir vor, wie ich kritische Situationen meistere und wie ich den Zieleinlauf meistere. So entwickle ich ein Gefühl der Gewissheit.

Das Prinzip ist immer das gleiche. Was ich mir nicht vorstellen kann, werde ich auch nicht erreichen. Im Sport wie im Beruf. Der entscheidende Punkt dabei ist: unser Gehirn kann nicht unterscheiden zwischen einer Situation, die man sich in aller Deutlichkeit vorstellt. Und einer, die man tatsächlich erlebt. Und genau diese Erkenntnis kann man sich zunutze machen. Unsere innere Einstellung, unsere Fähigkeit zur Vorstellung, ist die eigentliche Grenze im Leben. Mit der Kraft positiver Gedanken kann ich sie verschieben, mit negativen Gedanken engen wir sie ein.
Ich werde immer wieder gefragt, wie ich es denn überhaupt schaffe, 100 Meilen und mehr am Stück zu laufen? Meine Antwort lautet: „Ich laufe nicht 100 Meilen, sondern 1 Meile - 100 mal!“ Ich denke nur noch an den nächsten Schritt. Die große Distanz, die gesamten 166 Kilometer wie am Mont-Blanc, sind völlig ausgeblendet. Damit erhalte ich eine ganz andere Einstellung zu Distanzen.
Was bedeutet das für Sie? Legen Sie den Fokus immer nur auf den nächsten Schritt, Ihre nächste Aufgabe. Und nach den nächsten. Bis Sie Ihr Projekt erfolgreich beendet haben. Dafür sind tausende kleinster Aufgaben zu meistern. Entscheidend ist, dass Sie sich gedanklich voll und ganz auf den gegenwärtigen Moment, die aktuelle Aufgabe, konzentrieren. Nur das Hier und Jetzt können Sie aktiv beeinflussen. Die entscheidende Frage ist, ob bei einem Extremlauf, einem Kundengespräch oder einem chemischen Experiment. Wo bin ich mit meiner Aufmerksamkeit? Wo ist mein Fokus? Da, wo mein Fokus ist, ist auch meine Energie.
Auf die richtige Dosierung zwischen Training und Erholung kommt es an, um langfristig Erfolge zu erzielen. Der systematische Wechsel zwischen Belastung und Entlastung bildet den Kern einer jeden Trainingsmethode. Diese Ausgewogenheit ist für den Erfolg in allen Lebenslagen entscheidend. Machen Sie es wie ein Spitzensportler. Teilen Sie Ihren Tag und Ihr Kalenderjahr in Höhepunkte und Ruhephasen ein. Wann habe ich wichtige Kundentermine? In welchen Zeiträumen bin ich auf Messen unterwegs? Wann muss ich topfit sein? Und wann kann ich mir Pausen gönnen?

Zwischen dem „normalen“ Berufsleben und dem Extremsport gibt es zahlreiche Parallelen. Jedem Erfolg liegt eine realistische Ist-Analyse, einer klaren Zieldefinition und eine minutiöse Vorbereitung zugrunde. Aber erst mentale Stärke und die eigene Vorstellungskraft beflügeln zu wirklicher Höchstleistung. Verlassen Sie Ihre gewohnten Denkweisen - break your limits!

Zur Person: Diplom-Betriebswirt Norman Bücher ist Extremläufer aus Leidenschaft. Mit 22 lief er den ersten Marathon. Vom  28. bis 30. August startet der 31-Jährige bereits zum dritten Mal beim härtesten Extremberglauf in Europa, dem Ultra-Trail du Mont-Blanc. Der Redner der Agentur Sales Motion zeigt in seinen Vorträgen, wie man an seine Leistungsgrenzen und darüber hinaus gelangt.

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