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09.11.2010 | Life Guide | Sein & Haben

Absolut KOIflich | Tauchende Statussymbole

Wer wirklich etwas auf sich hält, besitzt auch Luxusgüter, die nicht sofort sichtbar und offensichtlich protzig daherkommen. Es geht auch anders. Irgendwo im hinteren Teil des hauseigenen Gartens ziehen ein paar tausend Euro im angelegten Tümpel gemütlich ihre Bahnen. Und wenn es einem zu langweilig wird, kann man sich wohl eines der teuersten Freitagsessen direkt aus dem heimischen Teich für den heimischen Teller angeln. Die Rede ist natürlich von den bekanntesten aller Zierfische: Dem Koi-Karpfen.

Und natürlich würde niemand, der dem schwimmenden Kiemen-Cash verfallen ist, auf die Idee kommen, diesen zu braten, zu grillen oder auf sonst irgendeine Art zuzubereiten. Liebhaber dieser Fische, sind ebenso stille Genießer, wie das Objekt der Begierde von seinem Wesen her ist.
Bis zum 18. Jahrhundert galt der teure Fang in seiner Heimatregion dennoch vornehmlich als Delikatesse – und zwar wirklich für den Gaumen und nicht als Labsal für Seele, Augen und Besitzerstolz. Dann jedoch wurde von den Bewohnern der japanischen Provinz Niigata die ersten Farbmutationen entdeckt, und die Erfolgsgeschichte der Lipizzaner unter den Fischen nahm ihren Anfang.
Heute werden für Fische mit sauberen und feinen Farbübergängen um die 2.000 Euro auf den Tisch geblättert bzw. in den Teich gelegt. Für besondere Exemplare mit besonderer Größe, perfekter Anatomie und Flossenentwicklung steigt der Preis bis auf 30.000 Euro.
Natürlich hat sich auch die Züchtung der Karpfen dem Marktwert entsprechend angepasst. Zwar kann man in Europa und Deutschland mittlerweile seinen Koi auch mal im Baumarkt erstehen; wer aber wirklich etwas auf Stil, auf sich und auf einen besonderen Fisch gibt, bezieht seine Koi-Karpfen direkt aus Japan – der Blutlinie wegen.
Unter die besten Züchter der Welt gehören japanische Connaisseure, wie Sakai, Ogata oder Hirasawa. 
Der edle Koi ist dabei mehr als nur ein Hobby: Für echte Liebhaber und Sammler ist die Leidenschaft für die besondere Karpfen gleichermaßen ansteckend, wie süchtig machend. Woran das genau liegt, ist dagegen für die meisten Menschen schwer nachzuvollziehen. Vielleicht liegt es an der langen Zeit, die man in Meditation und Kontemplation mit den Fischen verbringen kann: Diese werden nämlich bis zu achtzig Jahre alt (wenn es denn keine miauenden oder flatternden Feinde in der Gegend geben sollte – Gott bewahre). Manche behaupten gar, dass es eine erotische Komponente gibt, da die Fische sich mit Vorliebe an bereitgestellten Fingern oder Zehen festsaugen. Dazu können wir jedoch keinen Kommentar abgeben. Fest steht, dass es eine unglaubliche Leidenschaft bei den verschiedenen Sammlern über den ganzen Globus verteilt gibt. Wer hierbei glaubt, dass die Preise und die Passion einer Hybris der Fangversuchs eines "weißen Wals" gleichkommt, dem sei doch gesagt, dass ein paar Fische im Teich doch eine eher dezente Kapitalanlage ist – also eher so etwas wie ein Over-Understatement in einer Pfütze aus Gold.

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Autoren auf Vertriebsnachrichten. Finanzberater, Coaches, Trainer und interessante Menschen.